Club 55: Interview mit Patrice de Colmont – ein Leben für die Natur

By Petra Dieners

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Wir sitzen zusammen in der warmen Herbstsonne. Vor dem Club 55 ankern jetzt nur noch wenige Boote. Patrice de Colmont ist ganz entspannt und kommt schnell zu dem Thema, das ihn am stärksten bewegt: Wie kann der Mensch im Einklang mit der Natur leben? Patrice de Colmont ist Inhaber des legendären Club 55 am Strand von Pampelonne, unweit von St. Tropez. Der Club entstand in den 50er Jahren als am Strand die Filmarbeiten zu „Und immer lockt das Weib“ mit Brigitte Bardot in der Hauptrolle liefen. Colmonts Eltern waren Ethnologen, drehten Dokumentarfilme. und hatten ein Haus am Strand. Sie luden das Filmteam zum Essen zu sich ein. Hieraus entstand 1955 der wahrscheinlich bekannteste Strand-Club der Welt. Zu den Gästen zählen viele Berühmtheiten, aber auch ganz normale Urlauber. Trotz des Kults um seinen Club ist Patrice de Colmont „auf dem Teppich geblieben“ und lässt sich durch nichts aus der Ruhe bringen. Diese Woche hatten wir eine nette Unterhaltung.

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Patrice, wie erklären Sie Ihren großen Erfolg?

(Lacht herzlich) Weil wir normal sind! Das Konzept des Club 55 ist, kein Konzept zu haben. Wir sind absolut normal und natürlich. In unserer Zeit haben wir es überall mit Geschwindigkeit und Konsum zu tun. Wir aber haben hier einen ganz Platz geschaffen, an dem man sich einfach erholen und abschalten kann. Jeder Gast wird gleich behandelt. Es kommt weder darauf an, welche Uhr Du hast noch welches Auto Du fährst.

 

Was war der aufregendste Moment im Club 55?

Es gab viele, viele aufregende Momente. Aber sicherlich war es am aufregendsten als Michael Gorbatschow meinen Club besucht hat. Er ist sehr nett und freundlich, sehr cool, entspannt und „easy going“.

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Hat er vorher reserviert? Wussten Sie, dass er kommt?

Nein, er kam ohne Reservierung. Es war an einem Tag im Mai. Es regnete und regnete. Einer meiner Stammgäste erschien plötzlich mit zwei anderen Gästen. Ich sagte zu ihm: „Was willst Du hier bei diesem schrecklichen Wetter?“ Und dann sagte er plötzlich zu mir: „Darf ich dir Michael Gorbatschow vorstellen?“ Wir waren ganz allein im Restaurant. Ich gab jedem ein Club 55 T-Shirt und wir machten Fotos. Er sagte: „Ich schicke Dir die Fotos.“ Auf die Fotos warte ich allerdings noch heute… (schmunzelt)

 

Sie haben einen „Bio-Garten“. Werden diese Produkte auch im Club 55 angeboten?

Ja, wir haben zwei Farmen. Eine ist ganz in der Nähe. Das ist die Domaine Ferme du Vallon des Bouis. Sie produziert vollkommen organisch. Wir folgen dort dem Geist der „Bio-Landwirtschaft“. Dies ist ein holistisches Konzept. Das heißt, wir berücksichtigen den Mond, die Sonne, und nichts wird von außerhalb verwendet. Die Farm Le Domaines les Buisse produziert Wein, Olivenöl und Gemüse. Wir haben auch noch eine zweite Farm, das „Chateau de la Mole“. Seit diesem Sommer produzieren wir dort Gemüse, Olivenöl, Früchte, Cerealien und Käse.

 

Erzählen Sie mehr über das Projekt „Le Chateau de la Mole“!

Das Chateau de la Mole ist nicht mein erstes Zuhause. Ich würde es eher als mein zweites Zuhause bezeichnen. Ich habe zwei „Ferienhäuser“, wenn man so will: Die Domaine des Bouis und La Mole. Das ist sehr bequem und abwechslungsreich: Ich pendel zwischen meinem eigentlichen Zuhause, dem Büro und den beiden Ferienhäusern. Ich muss nicht zu weit entfernten Zielen reisen. Ich habe daher keine Probleme mit Flugplänen und Jet-Lack … (lacht)

Kennen Sie die Villa Medici in Rom? Ich möchte eine Villa Medici für die Landwirtschaft schaffen. Ich habe ursprünglich mit einem Projekt in der Region Alpes Provence begonnen, weil es sich um eine sehr naturbelassene Gegend handelt, die nicht zu teuer war. Aber eines Tages hörte ich, dass das Chateau de La Mole zum Verkauf stand. Chateau de La Mole kennt hier jeder. Ich will es unbedingt für die nächsten Generationen bewahren. Daher habe ich es im Mai 2015 erworben.

Das Anwesen ist nicht öffentlich zugänglich, da wir die Natur schützen wollen. Das Gelände ist wie eine Art Dschungel mit vielen Tieren und den unterschiedlichsten Pflanzen. Wir wollen es bewahren und eine Landwirtschaft betreiben, die an diese natürliche Gegend angepasst ist. Wir haben auch sehr gute Mitarbeiter gefunden, die die richtige Einstellung für dieses Projekt haben!

 

Wie verbringen Sie Ihre Freizeit?

(Lacht) Für mich ist jeder Tag „Freizeit“. Viele Leute machen zwischen ihrem Beruf und ihrer Freizeit einen großen Unterschied. Für mich gibt es in diesem Sinne keine Arbeit. Alles das, was ich tue, ist meine Leidenschaft.

 

Aber wenn Sie wirklich mal eine freie Stunde haben, lesen Sie dann ein Buch oder planen Ihr nächstes Projekt?

Ich lese gerne ein Buch, schreibe aber auch über meine Projekte oder halte meine Gedanken fest. Das entspannt.

 

Was sind ihre Lieblingsorte in St. Tropez und Umgebung? Ist es das Chateau de la Mole?

Die ganze Gegend ist sehr schön. Ich mag die Zitadelle in St. Tropez und das schöne ozeanische Museum in der Nähe der Zitadelle. Dieser Platz ist wunderbar. Ich liebe auch die Bastide Blanche und den Ort Ramatuelle.

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Welches Restaurant besuchen Sie außerhalb des Club 55?

Ein anderes Restaurant? Nein! (lacht herzlich)

 

Welche Zukunftspläne haben Sie?

Ja, ich habe ein ganz großes Projekt. Kennen Sie Pierre Rabhi? Er ist ein Philosoph. Seine grundlegende Idee ist die Bewahrung der Schöpfung und der Einklang von Mensch und Natur. Pierre Rabhi ist der französische Gandhi. Wir nennen ihn den grünen Papst. Wir haben eine Stiftung gegründet und Projekte in Afrika, Osteuropa und Südamerika begonnen. Dort lehren wir den Leuten, wie man Unabhängigkeit durch eine richtig betriebene Landwirtschaft erreichen kann. Dort gibt es viele Menschen, die sowohl die Philosophie als auch die notwendigen technischen Kenntnisse lernen. Unser großes Ziel ist die Bekämpfung des Hungers.

 

Wer ist Ihr Lieblingskünstler?

Mein Favorit ist die Kunst der einfachen Leute. Nicht irgendein Künstler, der die Kunst als Geschäft betreibt. Wenn ein Großvater für seinen Enkel ein Spielzeug herstellt, ist dies Kunst für mich. Es ist Kunst mit den Mitteln des Herzens. Die moderne Kunst ist nicht meine Sache.

 

Patrice, haben Sie ein Motto?

(Lacht) Ja, ich habe sogar mehrere!

Mein erstes Motto stammt von Papst Franziskus:

Gott vergibt immer, die Menschen vergeben manchmal, die Natur aber vergibt nie, wenn Du keinen Respekt vor ihr hast.

Mein zweites Motto lautet:

Wenn viele Leute dieselbe Auffassung teilen, bedeutet das noch nicht, dass sie im Recht sind, nur weil sie in der Mehrheit sind.

Schließlich mein drittes Mottos:

Wenn Du denkst ein Abenteuer sei gefährlich, dann denke über die Routine nach; sie kann tödlich sein.

 

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