Camilla Gräfin von Bernstorff liebt Kissen, Quasten und Posamenten und rettet ein altes Handwerk

By Petra Dieners

Camilla Gräfin von Bernstorff, Fashion-Blog, Lieblingsstil.com,„Die Maschinen, alles wäre auf dem Schrottplatz gelandet. das hätte mir das Herz gebrochen.“

Ich finde es ganz toll, wenn sich jemand für den Erhalt von etwas Besonderem einsetzt und so fahre ich nach Kempen um die junge Gräfin zu interviewen.

Camilla von Bernstorff wächst mit drei Geschwistern in Meerbusch auf und geht nach dem Abitur als Au-pair für ein Jahr nach New York. Hier lernt sie das New Yorker Leben richtig kennen. „Meine Au-pair Mutter ist eine typische New Yorkerin. Sie ist dort auch aufgewachsen. Das hat mich geprägt. Ich habe das zunächst gar nicht so wahrgenommen. Im Nachhinein habe ich aber festgestellt, wie mich ihr Einrichtungsstil beeindruckt hat. Während man es in Deutschland minimalistisch und clean mag, lieben die Amerikaner Posamenten und Quasten an Kissen und Gardinen. Sie sind kitschiger, aber trotzdem sehr cool.“

Als sie nach Deutschland zurückkehrt, macht sie eine Ausbildung bei einem renommierten Raumausstatter.

„Für meine Prüfung suchte ich nach einer Borte. Da habe ich mich sofort in die Werkstatt verliebt und in die Quasten, die überall herumhingen. Es war total unordentlich. Alles war vollgestellt mit Garn in allen Farben, aber es war ein Traum!“

Die Werkstatt befindet sich in einem Innenhof in Düsseldorf- Oberbilk. „Ich habe Herrn Schubert, den ehemaligen Besitzer gebeten, mich für ein Praktikum aufzunehmen. Das wollte er zunächst nicht, weil er in paar Wochen aus Altersgründen schließen wollte. Ich habe ihn dann ungefähr eine Stunde bequatscht, dass ich auch Kaffee kochen und fegen werde, aber ich hier unbedingt arbeiten musste. Ich wollte einfach sehen und miterleben, wie er arbeitet. Nach ein, zwei Wochen war klar, dass ich als Nachfolgerin im Gespräch bin. So etwas kauft natürlich auch keiner außer mir.“

Wenn Camilla von Bernstorff nicht an das alte Handwerk und an eine Zukunft des Unternehmens glauben würde, wäre die alte Werkstatt einfach entsorgt worden.

Camilla Gräfin von Bernstorff Werkstatt Kempen, Lifestyle-Blog, Lieblingsstil.com,Inzwischen ist sie mit der Manufaktur nach Kempen in einen ehemaligen Hengststall auf Gut Heimendahl gezogen. Der Umzug war sehr aufwendig. Um die Maschinen umzuziehen, musste sogar das Dach geöffnet werden. Die Maschine hat der Vater des Inhabers nach dem Krieg selbst gebaut mit Teilen,  die er damals finden konnte. „Diese Werkstatt hat einen hohen emotionalen Wert.“

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Der ehemalige Inhaber, 80 Jahre, kommt ab und zu, um zu helfen und zu lehren. „Herr Schubert ist auch ein großartiger Mensch. Von unseren Kunden wird er Guru genannt, denn er macht einfach alles blind und perfekt.“

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In Deutschland gibt es derzeit nur noch vier Werkstätten und es gibt keine Posamentierer mehr. Es gibt auch keinen Ausbilder mehr für diesen Beruf. „Wenn die Leute wissen, was Posamenten überhaupt sind, dann finden sie es meistens altbacken. Ich möchte es modern interpretieren. Ich bin jetzt fast ganz froh, dass ich die Ausbildung nicht gemacht habe, denn sonst macht man es so, wie man es gelernt hat und geht keine neuen Wege. Ich werde experimentieren.“

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Aber was ist nun die Vision? Das große Ziel der 24 jährigen?

„Ich liebe Kissen und mein Zimmer war schon immer voll mit Quasten.“ Camilla´s Traum ist, dass sich die Firma nicht nur erhält, sondern wächst und wieder zu einem richtig großen Unternehmen wird, wie sie es noch in den 90ern war. Die Idee ist noch nicht ganz ausgereift ist, das Sortiment soll aber um Interieur Accessoires erweitert werden. Vielleicht werden noch Vasen, Dosen etc. mit ins Programm aufgenommen. Kleine Dinge, die den Raum verschönern. Kissen, Decken und Gardinen sollen mit Posamenten und Quasten  verziert werden.

„Interieur hat man ja meistens 10 Jahre, aber die Accessoires kann man austauschen.“ Der Firmenname sollen auf jeden Fall mit Camilla´s beginnen.

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Heute trägt Camilla ihren Lieblingslook. Die Bluse ist ein altes Frackhemd von Van Laack. „Der Händler meinte, es ist schon über 100 Jahre alt. Die Knöpfe sind die Manschttenknöpfe meines kleinen Bruders. Neuseeländische Münzen.“

Die silbernen Boots und der Blazer sind von Zara und die Jeans ist von Mango. Der Schmuck ist Vintage. Das Kreuz stammt aus Brügge von einem der größten Antiquitäten Flohmärkte. Victorianisch.

„Ich liebe außergewöhnliche Sachen. Ich bin eine Sammlerin und sammle vor allem Schmuck und dabei am liebsten Vintage. Mein weiß nie so genau, woher es kommt und wer es getragen hat und ich liebe diesen Gedanken, dass es vielleicht ein Mensch war, der mir ähnlich ist. oder jemand der völlig anders ist. Auch Klamotten kaufe ich auch am liebsten Vintage. Ich habe auf dem Aachener Platz in Düsseldorf zwei, drei Händler, die eine Top Qualität und immer schöne Sachen haben. Das Individualisierende, nicht so sein wie andere, geht natürlich mit Vintage Kleidung sehr gut.“

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„Das liebe ich an New York. Dort Spenden die Leute ihre Designer Kleidung, die man dann dort sehr günstig kaufen kann.  Der Thrift Store an der Upper East Side, Housing Works, ist genial. Wenn man dann noch selbst spendet, kann man auch noch steuerfrei dort einkaufen. Verrückt.“

Camillas  Lieblingsdesigner ist Karl Lagerfeld. Sie mag aber auch Oscar de la Renta. Ihre Stilvorbilder sind Iris Apfel und Ilona Royce Smithken. Auf Instagram folgt sie Advanced Style.

„Viele Mädchen sehen so umglaublich gleich aus und trauen sich nicht, mal etwas auszuprobieren. Man muss auch mal bereit sein zu wagen, vielleicht sehe ich etwas albern aus, aber es macht Spaß. Es ist traurig, dass sich niemand mehr mit sich selbst auseinandersetzt, um seinen persönlichen Stil zu finden.“

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Ich würde mir wünschen, es würde auch noch eine kleine Mode Accessoire Linie geben, denn die Ohrringe die Camilla gemacht hat, finde ich wunderschön!

 

Liebe Camilla,

ein tolles Engagement, das mich sofort fasziniert hat. Ich wünsche viel Glück und Erfolg!

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2 Thoughts to Camilla Gräfin von Bernstorff liebt Kissen, Quasten und Posamenten und rettet ein altes Handwerk

  1. Gisela Barrington Antworten 13. November 2017 at 1:32

    So ein toller bericht ueber eine wirklich originelle junge frau mit individuellem geschmack und bewundernswertem elan. Vielen dank, liebe petra, fuer diesen besuch in meine geliebte vintage world!

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  2. Dörte Odenthal Antworten 12. November 2017 at 11:58

    Liebe Petra,

    vielen Dank für den wunderbaren Bericht! Ich schließe mich an und fände eine Accessoires-Linie sehr wünschenswert!
    Als junge Frau hatte ich auch schon den Wunsch nicht mainstream zu sein, sondern meinen eigenen Stil zu finden. Das ist mir auch gelungen, ohne dabei zu übertreiben, schließlich habe ich eine Banklehre gemacht, da gibt es Kleidervorschriften.. Aber auch da kann man mit Akzenten den uniformen Bankerlook individualisieren.
    Gerade zu einem cleanen Look, egal ob bei der Kleidung oder dem Wohnstil, passen wunderbar solche liebevoll gefertigten farbenfrohe Akzente!

    Ich wünsche der mutigen, stilvollen jungen Frau alles Gute, viel Erfolg und würde mich freuen von ihr hier wieder was zu hören..

    Ganz liebe Grüße,
    Dörte

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