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Interview mit Modesammlerin Monika Gottlieb

By Petra Dieners

Monika-Gottlieb-Modesammlerin,-Modesammlerin-Monika-Gottlieb-Düsseldorf,-Fashionblog,-Fashion-Blog,-Modeblog,-LieblingsstilAls ich meinen Blog startete, hatte ich bereits eine ganze Reihe von Persönlichkeiten im Kopf, die ich unbedingt einmal interviewen wollte. Monika Gottlieb stand ganz oben auf meiner Liste! Vor einigen Jahren hatte ich eine ihrer Ausstellungen im Dorotheum in Düsseldorf besucht und war total begeistert.

Monika Gottlieb ist Modesammlerin mit Passion! Sie spricht sechs Sprachen und kennt die Modewelt wie kaum eine andere. Für sie ist Mode viel mehr als eine Alltagsfliege oder einer kurzer Trend. Monika Gottlieb interessiert sich für die Hintergründe und kann zu allen Designern und jeder Mode-Ikone Dinge erzählen, die nicht jeder kennt.

Auf den Foto trägt sie einen Rock aus einem Hermès Tuch mit einem passenden Oberteil, angefertigt von ihrer langjährigen Freundin Siggi Spiegelburg. Das Corsagenkleid aus Spitze ist von Balmain und stammt aus dem Jahr 1954. Ein Abendensemble bestehend aus Kleid und Mantel in lindgrün auf einer anderen Büste ist von Dior von 1957.

Historische Schuhe sind auf einem Beistelltisch dekoriert.

Vor kurzem traf ich sie zu einem Interview. Ich hätte noch stundenlang zuhören können, wenn ich nicht das Mittagessen hätte vorbereiten müssen!

 

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Sie sind auf der Königsallee groß geworden. Wie muss man sich ihr Leben als Kind vorstellen?

Wunderschön und sehr spannend! Von meinem Kinderzimmer aus hatte ich einen Blick auf die Kö. Mein Weg zum Kindergarten führte mich jeden Tag an den Auslagen der Geschäfte vorbei. Ich kannte fast alle Inhaber und bekam überall Süßigkeiten geschenkt. Mein Hund musste ja mehrmals täglich raus und so kannte ich die Auslagen aller Schaufenster rundum. Meine Kinderschwester musste mich hochheben, um alles besser sehen zu können und ich war immer enttäuscht, wenn etwas Schönes verkauft war.

Meine Eltern führten in ihrer Parfümerie ausgefallene Lederwaren. Es war, wie man heute sagen würde, ein Concept Store. Nach dem Krieg waren wir es, die das erste Schaufenster mit Luxuswaren dekoriert hatten wie Taschen und Kosmetikkoffer in Kroko, Schildpattgarnituren mit individuell angefertigtem Monogramm in Gold.

Die Staatsbesuche, die nach Bonn der damaligen Bundeshauptstadt reisten, kamen immer zuerst nach Düsseldorf in den Breidenbacher Hof, wo wir nebenan wohnten. Da ich mit der Tochter des Inhabers befreundet war, hatte ich die Möglichkeit die Gäste wie Prinzessin Margret, Soraya etc. zu sehen.

Gastgeschenke wurden sehr oft bei uns gekauft. Wir hatten das wirklich Besondere! Wir führten die ersten farbigen Ledertaschen und kauften in Paris und Italien ein. Bei meiner ersten Einkaufsreise bestellten wir Kosmetikkoffer in 17 Farben. Bei uns gab es immer passende Schuhe in den Farben wie die Taschen, Modeschmuck und viele Accessoires, die heute Sammlerobjekte sind. Auf diesen Reisen lernte ich schon früh die großen Modeschöpfer der Zeit kennen.

1967 fing Celine an Mode zu entwerfen, animiert durch fünf Kunden und wir waren einer davon. So entwickelte sich erst Celine! Celine begann mit einem grauen Flanell Rock, dann mal ein paar Krawatten, ein paar Tücher usw.

Ich sprach japanisch und die Japaner kamen zu Hunderten. In den Jahren war Celine in Japan viel bekannter als Hermès. Es gab die ersten Coordinates mit Rock, Bluse, Tasche und Schuhen passend.

Wir waren auch die ersten, die die Parfums wie Christian Dior nach Düsseldorf brachten. Als kleines Kind erlebte ich Monsieur Dior als einen liebenswerten Mann, der in seinem weißen Kittel immer ein Stück Schokolade hervorholte, wenn er durch die Ateliers ging.

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Wie kam es zu Ihrer Sammlung?

Es ist mit der Zeit gewachsen. Ich habe in Italien in kleinen Boutiquen gekauft, die oft selbst ihre Dinge nur dort anboten.

Die schönen Flacons aus der ersten Auflage stammen noch alle aus dem elterlichen Geschäft, um 1950.

Aber in erster Linie habe ich durch das Geschäft meiner Eltern viele tolle Sachen von verschiedenen Designern gesammelt. Ja, und dann sprach mich mal Christiane Arp von der Vogue an, ob ich nicht eine Ausstellung machen wollte. Dann ist mir erst bewusst geworden, was für Schätze ich habe.

Ich hatte meine erste Ausstellung im Dorotheum in Düsseldorf und im Herbst in Paris im Hotel de Louvre zusammen mit fünf anderen Hermès Sammlern alter Objekte. Es gibt einen kleinen Film auf VIMEO, HAUTeLUXE.net.

Für März 2017 planen wir während der Fashion Week wieder eine Ausstellung in Paris mit ganz besonderen Objekten, wie Mode, Schmuck, Modezeichnungen und Photographie. Dabei lernt man dann auch sehr viele andere Sammler kennen und es ergeben sich wieder neue Möglichkeiten.

Von Helena Rubinstein kennt man eigentlich nur Kosmetik, aber sie war einer der größten Kunstkennerinnen und sammelte mit großer Leidenschaft Juwelen.

 

Wollten Sie niemals etwas weggeben bzw. ihren Schrank „ausmisten“?

Stücke, die heute nicht mehr in die Sammlung so recht hineinpassen, gebe ich ab, aber ich habe leider auch schon mal etwas verkauft, worüber ich mich heute sehr ärgere!

 

Sie erzählten mir neulich, Sie waren auf der MS Europa . Haben Sie auf dem Schiff Urlaub gemacht?

Ich habe dort vier Vorträge gehalten über Coco Chanel und ihren Werdegang, Elsa Schiaparelli wie sie Mode über die Kunst neu definierte, the Duchess of Windsor, die ein Weltreich fast zum Einknicken brachte und über Schmuckschatullen der großen Ikonen des letzten Jahrhunderts wie Liz Taylor, Barbara Hutton und der Maharani Sita Devi of Baroda, die ich selbst bei ihrem Aufenthalt in Düsseldorf im Breidenbacher Hof oft mit ihrem Geschmeide gesehen habe, Kindheitserinnerung!

 

Was bedeutet Ihnen Stil?

Stil ist meine Persönlichkeit, die von meinem Inneren herauskommt. Wie Coco Chanel schon sagte: Mode in vergänglich, Stil bleibt.

Die Attitude, wie man sich bewegt etc.. Stil hat nichts mit Geld oder Mode zu tun. Es ist wie man sich gibt, wie man sich verhält und wie man vielleicht groß geworden ist.

 

Wie würden Sie Ihren eigenen Lieblingsstil in puncto Kleidung beschreiben?

Wie sie mich jetzt so sehen. Farbenfreudig. Ich bin kein Verfechter des Purismus. Es kann ganz schlicht sein, aber ich bin nicht der Typ dafür. Ich bin durch mein zu Hause anders geprägt; eine barocke Zeit von Glamour und Eleganz. Es war sehr vielfältig und kreativ.

Den Rock, den ich heute trage, ist aus einem Hermès Tuch, was ich seit mehr als 30 Jahren besitze und mir von den Farben so gut gefallen hat. Siggi Spiegelburg hat mir daraus einen Rock angefertigt. Das Oberteil habe ich mir ebenfalls machen lassen. Die Schuhe sind von Roger Vivier. Mein Auge sagt mir, was es will.

Ich kaufe immer ganz antizyklisch. Wenn ich tolle Schuhe in einer speziellen Farbe sehe, kaufe ich sie. Sie werden schon wieder zu irgendetwas passen. Meine Lieblingsschuhe sind von Yves Saint Laurent. Sie sind grasgrün und lila. Ich habe sie reduziert für EUR 100 das Paar gekauft und sofort zugeschlagen. Ich werde immer wieder auf diese Schuhe angesprochen, auch wenn sie inzwischen 30 Jahre alt sind. Es war ein Glückstreffer! In der letzten Saison wurde dieses Modell original getreu wieder aufgelegt.

Jede Frau sollte beherzigen sich Dinge zu kaufen, die man in dem Moment toll findet, wo man sie sieht, auch wenn man sie gerade nicht benötigt. Denn wenn man z.B. mal ein tolles Abendkleid wirklich braucht, findet man es nicht!

Ich mische immer alt mit neu. Für meine Sammlung kaufe ich natürlich auch neue Dinge, sonst bremse ich mich ja selbst! Mein Auge glaubt ein Stück gefunden zu haben, was es in einigen Jahren zu einem besonderen Objekt der Zeit macht. (Das folgende Foto zeigt eine ihrer neueren Errungenschaften, eine Tasche von Delvaux).

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Das Alte hat eine Historie, das zu dem Neuen wieder passt. Dies macht es so spannend!

Nichts ist so schön wie der Satz, den ich zu der Beschreibung einer Hermès Krokotasche in einer Auktion fand. „Ausgesucht in Paris, geschenkt in New York, getragen in Saint Tropez und versteigert in London“. Das sagt alles! Diese Tasche hat schon gelebt!

 

Von wem war denn das Outfit, was Sie bei dem Hermès Event getragen haben?

Der Mantel war von Mary McFadden, eine Designerin in New York aus den Siebzigern. Ich fand es so toll, weil sie sich von der Kunst hat inspirieren lassen. Auf der Art Cologne haben mich zwei Sammler angesprochen, die toll fanden, dass Kunst in dieser Art und Weise in die Mode transferiert wurde. Der Mantel hängt schon sechs Jahre in meinem Schrank und ich hatte ihn noch nie zuvor an! Dazu habe ich einen Seidenanzug in orange kombiniert. Von dem Ensemble war ein Foto in der Bunten Illustrierten.

 

Hatten Sie ein Stilvorbild oder wie hat sich Ihr Stil entwickelt?

Ich habe täglich im Geschäft toll gekleidete Damen gesehen. Besonders haben mich aber die Damen geprägt, die von ihren Fahrern im Breidenbacher Hof vorgefahren wurden und dann ausstiegen mit ihren großen Seidenmänteln und langen Handschuhen. Diese Eleganz hat mein Auge geprägt.

 

Was würden Sie niemals anziehen bzw. tragen?

Man muss nicht immer tragen, was gerade ganz aktuell ist. Man kann mit der Zeit gehen, aber es muss zum Typ und zum Alter passen. Der Wahn zur Jugend hin muss nicht unbedingt schön sein!

 

Wer sind Ihre Lieblingsdesigner?

Oscar de la Renta, Carolina Herrera, Alexander McQueen, Elie Saab.

Für das Tägliche muss man sich individuell finden.

 

Wer ist Ihr Lieblingskünstler?

In der Musik ist es Verdi, der so beschwingend macht. Sonst Chagall, Magritte und Skulpturen von Giacometti.

 

Was ist für Sie das vollkommene irdische Glück?

Wenn ich hier auf meinem Terrasse sitze und das Eichhörnchen kommt und frisst mir aus der Hand.

 

Wohin reisen Sie gerne?

Europa aber Asien finde ich auch spannend. Mein Großvater war in China, schon 1902 mit dem deutschen Kaiser, deshalb habe ich einen besonderen Bezug dazu.

 

Wo möchten Sie leben?

Ich könnte mich überall einfügen. Ich spreche 6 Sprachen und das macht die Sache einfacher. Ich war die letzten zwei Wochen in New York, in Brüssel, in Paris, aber wenn ich wieder nach Hause komme und zum Bäcker in die Altstadt gehe und er sagt, „ach bist Du wieder zurück“, dann ist das für mich Heimat! Es ist das Gefühl des Gewohnten. Von Düsseldorf ist man überall schnell in der Welt.

 

Ihr größter Fehler / größtes Laster?

Nicht nein sagen zu können, wenn ich etwas Schönes sehe!

 

Ihr Motto?

Es ist erhaltenswert, und es verdient einen neuen Platz!

 

Diese Taschen von Roberta Di Camerino würde ich gleich alle nehmen …

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2 Thoughts to Interview mit Modesammlerin Monika Gottlieb

  1. Kühlwein Werner Antworten 17. Juni 2016 at 16:56

    Hallo Frau Gottlieb
    Diese Nachricht hat nichts mit Mode zu tun , aber vielleicht mit Ihrer und meiner Kindheit

    Habe keine Profilneurose weshalb ich schreibe , bin auch kein „Enkel mit dem danach benannten Trick“
    Einfach , wie Dieter Nuhr über seinen Vater sagt „Ich brauch nix“ bin glücklich und zufrieden .
    Mich treibt einfach die gute Erinnerung an den Kindergarten und……
    dann Ihre frischfröhliche Erzählung in „Die Kö“ und ließ mich die Tastatur des PC bedienen

    Sie erwähnten einen Kindergarten unweit der Kö.
    Das war ein Fröbelscher repressionsfreier Kindergarten , den ich als Kleinunternehmersohn besuchen durfte.

    Meine Eltern hatten eine Elektronikproduktion , die ich noch heute mit meinem Sohn führe
    Da war ich mit :
    Herbert Hegener und
    Wolfgang Hase etwa 2 Jahre bis 1950/51 in dem- sehr guten – Kindergarten
    ich glaube mich zu erinnern , das war ,auf der Steinstrasse.
    Eine freundliche Frau Perpeet war Leiterin und eine etwas sehr straffe „Tante“ Erna.

    Waren Sie da eines der Mädchen auf den Kindergartenbildern.?
    Ist nicht so wichtig , aber ich hatte das Gefühl als Sie den Weg von der Kö beschrieben
    daß das auch IHR “ Kindergarten war.
    Würde mich freuen wenn Sie RE- Mailen – if possible! Dank im Voraus!

    #
    • Petra Dieners Antworten 17. Juni 2016 at 20:01

      Lieber Herr Kühlwein,

      ich werde Ihre Nachricht an Frau Gottlieb weiterleiten. Ich hatte sie interviewt und dieses nette Gespräch mit ihr hier auf meinem Blog veröffentlicht.

      Viele Grüße
      Petra Dieners

      #

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